CSU-Chef Horst Seehofer macht den Maverick

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Wer mit Politikern nach einer Wahl ein Interview führen muss, steht oft auf verlorenem Posten. Dem Interesse nach Analyse begegnen die Volksvertreter allzuoft nur mit Plattitüden. Das müsse erst analysiert werden, man wolle keine vorschnellen Schlüsse ziehen, heißt es dann.

Der gefallene Spitzenkandidat und Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) brauchte am Sonntag nur zehn Minuten für seine Analyse des Wahlausgangs – und verkündete vor laufenden Kameras seinen Rücktritt und Rückzug ins Ministerbüro nach Berlin.

Auch der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer ist für eine klare Ansprache bekannt. Sein Auftritt am Montag im heute-journal des ZDF dürfte aber auch für die Nachrichtenprofis aus Mainz nicht alltäglich gewesen sein. ZDF–Frontmann Claus Kleber interviewte Seehofer vorab. Nach dem üblichen Frage-Antwort-Spiel reden der Journalist und der Politiker noch ein bisschen weiter. Die Kameras laufen mit (hier gibt es das Interview auf YouTube).

Auf eine Frage von Kleber zur Finanztransaktionssteuer kommt Seehofer in Fahrt und zählt die Baustellen der Regierung auf.“Aber das geht mir alles zu zäh“, sagt Seehofer. Er glaube an die Regierungsfähigkeit von Union und FDP, so Seehofer, deshalb tue ihm das besonders weh. „Und wir machen das einfach nicht so gut, dass wir die Zustimmung auch von der Bevölkerung erhalten. Es tut mir leid.“

Das rote Tuch für Seehofer ist aber Wahlverlierer Norbert Röntgen.Innerhalb von sechs Wochen sei Röttgens Vorsprung in Umfragen „weggeschmolzen wie ein Eisbecher, der in der Sonne steht“, sagte Seehofer nun zu Kleber. „Das ärgert mich.“ Dass sich Röttgen den Notausgang nach Berlin nicht zugemacht hat, „war ein ganz großer Fehler“, so Seehofer weiter.

An dieser Stelle kommt üblicherweise der Hinweis, dass das aber vertraulich bleiben müsse. Doch Horst Seehofer gibt in dieser Sekunde des Maverick. „Sie können das alles senden, was ich gesagt habe“, sagt der CSU-Politiker.