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Das Vorhaben ist löblich: Die Bezirksversammlung Pankow beschloss jüngst, für das Quartier zwischen Prenzlauer Allee, Danziger Straße und Greifswalder Straße eine Planung für ein integriertes Entwicklungskonzept zu erstellen.

Die Bezirksverordneten wollen damit eine „ganzheitliche, an öffentlichen und städtebaulichen Handlungsbedarfen orientierte Entwicklung des Quartiersu ermöglichen.“ Denn der Sanierungsbedarf ist offenkundig. Die meisten Neunbaublöcke strahlen noch in dem Grau, als Erich Honecker am 15. April 1986 den etwa 25 Hektar großen Park mit Wohnungen, Schule sowie Kultureinrichtungen übergab.

Die Abgeordneten möchten wissen, welcher Sanierungsbedarf bei den Grünflächen (Grünfläche „Danziger Patz“, Fröbelplatz, Grünzug Prenzlauer Allee/ Planetarium bis Thälmannpark und seine Verbindung zum Anton-Saefkow-Park, Thälmannpark) vorliegt und ob ein Defizit an Spielplätzen besteht. Letzteres besteht nicht, wohl aber ein Mangel an Spielgeräten für die Kinder. Erst im vergangenen Jahr ließ der Bezirk alle Spielgeräte vom Spielplatz im Thälmann-Park entfernen. Grund: Kein Geld für die notwendigen Reparaturmaßnahmen.

Auch für das Kulturaral mit Wabe und Theater unterm Dach und Galerie an der Danziger Straße interessieren sich die Lokalpolitiker. Vor wenigen Wochen standen die Einrichtungen noch auf der Streichliste des Bezirkes. Nach heftigen Protesten wurde das Kulturareal Ernst-Thälmann-Park treuhänderisch an die gemeinnützige Gesellschaft für Stadtentwicklung (GSE) abgegeben.

Das Areal wird dominiert vom Wohngebiet Ernst-Thälmann-Park. Über das Gebiet wacht unübersehbar der Namenspatron an der Greifswalder Straße. Touristen kommen vorbeigeradelt und machen vor dem 14 Meter hohen und 15 Meter breiten Denkmal Schnappschüsse. Jugendliche lungern auf den Stufen rum. Sprayer haben sich auf dem Sockel verewigt. Doch in Sachsen regt sich Widerstand gegen diesen Rest von DDR-Kunst. Angelika Barbe hat im Zuge der jüngsten Debatte in der Bezirksverordnetenversammlung den Abriss des Denkmals gefordert. Dabei ist dieser Vorschlag nicht neu. Schon Anfang der Neunziger wollte sich der Senat des Denkmals von Lew Kerbel entledigen – und scheiterte. Statt Thälmann-Denkmal wünscht sich die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin, das Wort Freiheit als Hochhaus gebaut.

Angelika Barbe wird sich mit ihrem Vorschlag nicht durchsetzen. Dazu haben die Anwohner ein vielzu entspanntes Verhaltnis mit dem Denkmal. Die Referentin für die Aufarbeitung der SED-Diktatur in der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung ist mit ihrem Furor gegen das Thälmann-Denkmal eine Stimme aus der Vergangenheit. Für die ehemalige Bundestagsabgeordnete und (fast) sächsische Stasi-Beauftragte ist die notwendige Debatte um die Weiterentwicklung dieses wichtigen Wohngebietes in Prenzlauer Berg ein letztes Zucken eines moralischen Rigorismus, der zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung längst überholt ist.

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